Historisches aus Dortmund: Die Dortmunder amüsierten sich auch im Orpheum – von Dr. Günter Spranke

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Die Orpheum-Residenz prägte das Straßenbild (um 1913) (Foto: privat)

Dort, wo später nahe der Dorstfelder Brücke eine Diskothek hinter einer schmucklosen Fassade an der Rheinischen Straße 79 ihr meist junges Publikum anzog, wurde man schon vor mehr als einhundert Jahren von der auffallenden Werbung eines imposanten Lichtspielhauses geradezu angesprungen.

Ein Pegasus, ein geflügeltes Pferd, erhob seine Schwingen in 26 Meter Höhe weit in den Verlauf der Straße hinein. Als sinnbildliches Dichterpferd wurde es zum stadtbekannten Wahrzeichen dieser, „Orpheum-Residenz“ genannten, Lichtspielstätte. Der Betreiber Heinrich Assauer hatte im Jahr 1911 diesen – damals noch als „Kinematograph“ bezeichneten – Ort großstädtischer Unterhaltung eröffnet und damit Dortmunds ersten eigenständigen Kinoneubau errichtet. Der Bau mit 375 Sitzplätzen stand beispielhaft für die damalige Stummfilmzeit und repräsentierte die Ära der Stars, deren Schaffen von Live-Klavierbegleitung untermalt und Getränke servierenden Kellnern eher gestört wurde.

Im Jahr 1943 wurde die beliebte Spielstätte total zerstört, in den kinosüchtigen Nachkriegsjahren in eher bescheidener Manier wiederaufgebaut, dann nach Ende des Kino-Booms ab 1982 als Disko genutzt, bis im Jahr 1989 ein Feuer dem Betrieb ein vorläufiges Ende setzte. Bekannte DJs legten jedoch weiterhin auf und erst eine Beendigung des Pachtvertrages stoppte im Jahr 1997 den über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Musentempel.

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