Dorstfeld im Wandel der Zeit (Teil 7)

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Gaststätte „Zum deutschen Reichsadler“ 1921 (links) und heute.

Viele alte Dorstfelder erinnern sich noch an die ein oder andere Geschichte, die mit den Orten verbunden ist, die seit Jahren in dem vom Förderverein St. Barbara Dortmund-Dorstfeld e. V. aufgelegten Kalender „Dorstfeld gestern – heute“ abgebildet sind. Diese Reihe stellt in loser Folge einige dieser Orte und die mit ihnen verbundenen Geschichten vor.

Restauration August Schulte, gen. Thrantroth (Kalenderblatt September 2016)
Wie in einer Zeitkapsel haben sich die Gebäude entlang des Vierecks von Emscherstraße, Wörthstraße, Schmettowstraße und Thusneldastraße erhalten. An der Einmündung der Emscherstraße zur Thusneldastraße findet sich heute noch die ehemalige Restauration August Schulte gen. Thrantroth.

Gegründet wurde diese Restauration 1903 von Nikolaus Hecker, dessen Schwiegersohn August Schulte gen. Thrantroth die Gaststätte von 1915 bis 1939 betrieb. In der Folgezeit wechselten die Betreiber häufiger und auch der Volksmund fand aussagekräftige Namen für die Gaststätte. So waren von 1939 bis 1947 die Eheleute Niedergethmann Betreiber, bis 1955 dann Bruno Harwardt. Während seiner Zeit als Gastwirt wurde die Wirtschaft scherzhaft „Zum schmierigen Löffel“ genannt. Sein Nachfolger Paul Fuchs (Gastwirt ab 1962, gen. „der alte Fuchs“) stellte 1962 nach fast 60 Jahren den Schankbetrieb Union auf Thier um. Nach kurzer Führung durch Hans-Dieter Bauske übernahmen 1999 bis zur Schließung im Jahr 2003 die Eheleute Hans und Liselotte Beerwerth die Führung der Kneipe, die aufgrund der freundlich begrüßenden Spülhände des Herrn Beerwerth den scherzhaften Namen „Nasse Flosse“ erhielt.

Die Restauration wurde bis 1945 unter dem Namen „Zum deutschen Reichsadler“ geführt und dann in „Alt-Dorstfeld“ umbenannt. Die Fortführung des Namens war nicht mehr opportun. Auf der Giebelspitze des Erkers befand sich bis in die Nachkriegszeit ein Reichsadler mit ausgebreiteten Schwingen. An der historischen Fassade sind ansonsten wenig Veränderungen vorgenommen worden. So ist eine zur Emscherstraße führende Tür zugemauert worden, einige Schlusssteine der Fensterbögen haben ihren Stuck eingebüßt.

In der gleichen Gebäudeflucht steht das 1897 erbaute Wohn-und Geschäftshaus Dorstfelder Hellweg 21, welches bis Anfang der 1980er Jahre das Kaufhaus Kürfgen beheimatete. Seither wechseln sich in mehr oder minder längeren Intervallen Gewerbetreibende dort ab.

Auch die ehemalige Restauration „Zum deutschen Reichsadler“ beziehungsweise „Alt-Dorstfeld“ hat nie wieder einen festen Platz im Leben der Dorstfelder Gemeinde gefunden. Auch bedingt durch das Abschneiden des Dorstfelder Hellwegs als Lebensader unseres Ortes, die über Jahrhunderte hinweg das Betreiben von Geschäften ermöglichte, vom Durchgangsverkehr fiel der alte Dorstfelder Ortskern entlang des Hellwegs seit den 1990er Jahren in eine Starre, die die Ansiedlung neuer Gewerbe erschwerte, dem Erhalt der alten Bausubstanz aber eher förderlich war.

Für die Bereitstellung des Bildmaterials danken wir Kurt Poth und dem Arbeitskreis Erzählte Geschichte Dorstfelds.

Text: Jan De Bondt und Nils Kowalewski

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