Die wichtigste Regel: Es gibt keine!

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Auf in zwei turbulente Wochen: Dieter Gawol, Anette Göke (3. u. 4. v. l.) sowie Richard Ortmann (2. v. r.) von „DADADO“ mit einigen ihrer Gäste auf der Eröffnungsveranstaltung vom 21. Februar. (Fotos: IN-StadtMagazine)

„!Viva Dada ’20!“ feiert Anti-Kunst-Jubiläum

Nach wie vor dürfte Richard Huelsenbeck den meisten Dortmundern unbekannt sein, dabei war der Mann, dessen Grab auf dem Südwestfriedhof zu finden ist, ein echter Kunstpionier. In obrigkeitsgläubiger Zeit gründeten er und seine Mitstreiter 1918 den „Club Dada“. Dessen Ziel: Konventionen einen Vogel zu zeigen und stattdessen „Anti-Kunst“ zu produzieren, bei der absurder Nonsens hochwillkommen war. Ihren Höhepunkt erreichte die Bewegung 1920 mit der skandalträchtigen „Ersten Internationalen Dada-Messe“ in Berlin.

In Dortmund hat sich die DADADO-Gruppe um Anette Göke, Richard Ortmann und Dieter Gawol vor einigen Jahren vorgenommen, den damaligen Geist wiederzubeleben und machte seitdem u. a. mit skurrilen Bustouren und abgedrehten Filmabenden im Fletch Bizzel auf sich aufmerksam.

Jetzt, zum „100.“ der legendären Berliner Ausstellung, haben die drei im Dortmunder Künstlerhaus mit „!Viva Dada ’20!“ ihr bisher umfangreichstes Projekt aus der Taufe gehoben. Wobei die Zeiten für Dadaisten heutzutage sicherlich schwierigere sind, an Sinnlosem herrscht im Kulturbetrieb schließlich eher wenig Mangel. Am Sunderweg geht es daher darum, den anarchischen Grundgedanken der Bewegung zu transportieren, ohne dabei belanglos zu sein. Man könnte auch sagen: es soll Spaß machen!

Dafür, dass es tatsächlich jede Menge zu entdecken gibt, sorgen die sage und schreibe über 120 Künstler aus Italien, England, Rumänien, der Schweiz und Deutschland, die dem Aufruf folgten und sich an der Dada-Messe beteiligten. Neben den Collagen dieser zahlreichen Werke gibt es auch historische und aktuelle Artefakte, durch die man sich über die Kunstform „DADAismus“ informieren kann. Erinnerungen an Richard Huelsenbeck und an den Dortmunder Lyriker Jürgen K-Alle Wiersch sind in Wort und Bild zu hören und zu lesen. Ferner sorgen Vorträge und Lesungen, Live Musik und Performances für ernsthafte, aber auch (un)sinnhafte Aktionen mit „huelsenherziger“ Fröhlichkeit.

Alles in allem also ein – allerdings wirklich gelungener – Spagat zwischen kunsthistorischer Dokumentation und überbordendem Blödsinn. Und dabei, Dada hin oder her, zudem oft genug einfach schön anzusehen. Auch wenn’s irgendwie widersprüchlich klingt: Ein Besuch im Künstlerhaus dürfte also wirklich Sinn machen!

Die Dada-Messe läuft noch bis zum 6. März im Künstlerhaus, Sunderweg 1, 44147 Dortmund. Fast täglich finden Sonder-Events statt, nachzulesen auf www.dadado.eu

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