Die Demokratiekümmerer von Dorstfeld

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Seit 2017 sind die Quartiersdemokraten Ratgeber im Kampf gegen Extremismus. Auch an den Planungen des (eigentlich) alljährlichen Demokratiefestivals sind sie maßgeblich beteiligt. (Foto: Quartiersdemokraten)

Es ist soweit: Im Laufe der nächsten Zeit wird Dorstfelds Bürgerhaus „Pulsschlag“ nach und nach Gestalt annehmen. Ein großer Schritt für das gemeinschaftliche Leben und den Zusammenhalt im Stadtteil, der seit geraumer Zeit von Land und Kommune große Unterstützung erfährt.

Das allerdings war vor einigen Jahren, als die rechtsradikale Szene für eine Weile die Schlagzeilen sehr beherrschte, auch nötig, um an deren Stelle positive Nachrichten treten zu lassen. Zu eben diesem Zweck haben die Dorstfelder seit drei Jahren nun auch eine Art Quartiersmanagement, das sich ausschließlich mit Fragen der Demokratieförderung beschäftigt. Doch erst nach und nach schaffen es die Quartiersdemokraten auch ins Bewusstsein der Bürger.

Finanziert mit Landesmitteln des Förderprogrammes „NRWeltoffen“ und in Trägerschaft des „Vereins zur Förderung von Respekt, Toleranz und Verständigung“, haben Viviane Dörne und Micha Neumann seit 2017 bei ihrer Arbeit vor allem zwei Ziele im Blick: Den Bewohnern des Quartiers Fachwissen zum Rechtsextremismus bzw. Strategien zum Umgang mit diesem an die Hand zu geben, sowie Gruppen und Einzelpersonen in diesem Sinne besser miteinander zu vernetzen. Rat wird beispielsweise dabei angeboten, versteckten Rassismus zu erkennen, oder rechtsextreme Parolen mit Argumenten zu widerlegen. Gelegentlich ist auch rechtliche Hilfestellung, etwa bei der Anpassung einer Vereinssatzung zum Schutz gegen extremistische Einflussnahme, vonnöten.

In Aktion treten die Quartiersdemokraten bei Hilfegesuchen aus der Bevölkerung wie auch unabhängig von Anfragen – regelmäßige Veranstaltungen sind (in Corona-freien Zeiten) die Demokratiefestivals auf dem Wilhelmplatz oder die vierteljährliche Veranstaltungsreihe „Dorstfeld im Gespräch“.

Viviane Dörne und Micha Neumann sind froh, in ihrer koordinierenden Funktion dazu beigetragen zu haben, dem zivilgesellschaftlichen Engagement im Ort immer mehr Raum und Gewicht zu geben. Insbesondere an den weiterführenden Schulen Dorstfelds habe man das Thema Rechtsextremismus deutlich mehr in den Fokus rücken können. Den unmittelbaren Einfluss der rechten Szene auf den Stadtteil wie auch auf ganz Dortmund sehen sie beide als in den letzten Jahren deutlich erodiert an – so stünden entsprechenden Demos mit ca. 1000 Teilnehmern vor rund zehn Jahren heute angekündigte Großveranstaltungen mit weniger als 200 Marschieren gegenüber – mahnen jedoch gleichzeitig, eine geringere Anzahl politisch motivierter Straftaten in Dorstfeld und Umgebung sei nur bedingt aussagekräftig. Stattdessen hätten die entsprechenden Personenkreise oft schlichtweg gelernt, wie weit sie gehen dürften, um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Was diesen Umstand betrifft, durften die zwei Quartiersdemokraten im Laufe der letzten drei Jahre auch schon die eine oder andere eigene Erfahrung sammeln, doch ohne ein anständiges Maß Zivilcourage hätte ohnehin niemand der beiden diesen Job je angetreten.

Wird denn die jüngst durch das OLG in Gelsenkirchen abgelehnte Videoüberwachung des „Hotspots“ Emscherstraße von Dorstfelds Kümmerern in diesem Zusammenhang als Rückschlag gewertet? Dieser Vermutung widerspricht Micha Neumann entschieden, zum einen, weil ein solcher Eingriff in die Bürgerrechte aller dortigen Anlieger seiner Ansicht nach tatsächlich eine problematische Angelegenheit sei, und zum zweiten, da Videoaufzeichnungen „eigentlich am Problem vorbeigehen, denn das ist halt aktuell eher weniger eine hohe Zahl von Gewalt- oder anderen strafrelevanten Taten“.

Die den beiden Demokratieförderern viel wichtigere Weichenstellung ist der erwähnte (Um-)Baubeginn des Dorstfelder Bürgerhauses. Hier möchte man in der Zukunft mit regelmäßigen Beratungsterminen präsent sein und dadurch im Ort deutlich sichtbarer werden. Weil es bei den Quartiersdemokraten ja eben genau darum geht: Vernetzen, um dann gemeinsam an einem Strang ziehen zu können.

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