Kunstvoll, einzigartig – und womöglich lebensrettend

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Von der Masken-Versteigerung der Lütgendortmunder „Nähbienen“ profitieren nicht nur die Meistbietenden: Für Auktionator Niels Geertesma gab es bei dieser besonderen Veranstaltung vor der Schürener Kunsthalle am Voltaweg einiges zu tun. (Fotos: IN-StadtMagazine)

Mit einem furiosen Finale endete am 1. August die zugunsten der Obdachloseninitiative „Hand in Hand e. V.“ initiierte Masken-Kunstaktion der Lütgendortmunder „Nähbienen“.

Wobei sich die Vorgeschichte sowohl der Gruppe als auch des Events so unkompliziert gestaltete, dass man sich wundert, wie kurz der Weg vom guten Willen zur guten Tat manchmal sein kann: Erst Anfang April von der Lütgendortmunderin Beate Kimm als Facebook-Gruppe aus der Taufe gehoben, stieg das Kernteam der sechs Näherinnen unmittelbar in eine ehrenamtliche Maskenproduktion ein. Und bei der gab’s offensichtlich keine Kompromisse: Binnen Wochen schafften es die fleißigen Bienen so beispielsweise, die Belegschaft von vier Seniorenheimen des Dortmunder Westens komplett mit Masken zu versorgen.

Derart unermüdliches Engagement musste sich selbstverständlich in Windeseile herumsprechen, und tatsächlich erreichte die Initiatorin schon bald ein Hilferuf der in der Nordstadt beheimateten, ums finanzielle Überleben kämpfenden Obdachlosen-Hilfsorganisation „Hand in Hand e. V.“. Die Nähbienen allerdings beließen es daraufhin nicht dabei, ihre Nähmaschinen heißlaufen zu lassen, sondern planten einen größeren Coup – und auch der lief direkt wie am Schnürchen:

Ihr Aufruf an Dortmunder Künstlerinnen und Künstler nämlich, die durch das Sextett gefertigten Masken unentgeltlich in Unikate zu verwandeln, erfuhr von Beginn an große Resonanz. So wuchs das Projekt, gedieh und zog weitere Privatspender und Helfer an. Bald war klar, dass man die Initiative in einer Kunstauktion würde münden lassen – inklusive Speis, Trank und kleinem Unterhaltungsprogramm, aber ohne einen Cent „Verwaltungskosten“.

Keine wie die andere: Ob die Exponate nun in erster Linie Kunstobjekte oder handfeste Gesundheitsprävention waren, durfte anschließend jede(r) Höchstbietende selbst entscheiden.

In (bzw. vor) der Schürener Kunsthalle am Voltaweg war es dann Anfang August also soweit, und 65 Exponate von insgesamt 23 Urhebern – darunter z. B. Günter Rückert, Anette Göke und Almut Rybarsch-Tarry – kamen unter den Hammer.
Die dabei erzielten Erlöse waren mitunter durchaus beeindruckend, und gipfelten in einem 165 €-Gebot für einen Mund-Nasen-Schutz der Dortmunder Krimi-Autorin Gabriella Wollenhaupt sowie 500 € für ein von Susanne Schütz gestaltetes „Masken-Trio“, welches die Künstlerin mit der Zusage für ein persönliches Portraitgemälde aufstockte.

Mehr als 5000 € Gesamterlös ergab der Kassensturz am Ende des Tages – brutto wie netto, denn wie angekündigt waren alle Unterstützer ehrenamtlich mit von der Partie, spendeten Getränke (u. a. Ardey-Quelle, Kaiser-Brauerei), sorgten für ein wenig Unterhaltung beim Nachwuchs (BVB-Fan-Club „Einigkeit“), oder füllten hungrige Besucher-Mägen, ohne daran zu verdienen (Food Truck vom Unnaer Karl-Heinz Pfeiffer).

Mit dem Wind dieser erfolgreichen Aktion im Rücken sind sich auch die Nähbienen sicher, ihren Posten erst dann ganz räumen zu wollen, wenn das Virus unseren Alltag nicht mehr beherrscht. So war die Schürener Kunstauktion zwar das Ende eines Kapitels, aber keineswegs der Geschichte der Lütgendortmunder Facebook-Gruppe. Die sind mittlerweile schon wieder in die Produktion eingestiegen und wollen der unglaublichen Zahl von bislang mehr als 3000 gefertigten Schutzmasken noch so einige Exemplare hinzufügen. All jene, bei denen entsprechender Bedarf besteht, sind herzlich eingeladen, sich mit der Gruppe in Verbindung zu setzen.

Nähere Informationen zu den Nähbienen gibt es auf deren Facebook-Account unter www.facebook.com/groups/kimm.beate/.

Der Kontakt kann auch telefonisch über 0178-90 66 196 bzw. vie Email an beate.kimm@googlemail.com aufgenommen werden.

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