Künstler zwischen zwei Kulturen sucht Ausstellungsmöglichkeiten

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Levent Kartal verarbeitet seine Erfahrungen in seinen Bildern. (Foto: √Peter Otworowski/Levent Kartal)

In Deutschland ein Türke. In der Türkei ein Deutscher. Europa und Orient. Muslimischer Glaube zwischen Tradition und Moderne. Dazu ein holpriger Start ins Berufsleben. Viele Konfliktfelder für einen jungen Mann.

Bei Levent Kartal aus Wanne-Eickel führten sie in eine massive Identitätskrise. Der heute 36-Jährige bewältigte sie mit Hilfe eines Studiums der Kunsttherapie sowie der eigenen Bilder, Zeichnungen und Skulpturen. Erst heute kann der Künstler, der jetzt seinen Lebensmittelpunkt in Aplerbeck gefunden hat, öffentlich darüber sprechen. Nun möchte er seine Werke ausstellen, um sie mit der Gesellschaft zu teilen – wobei die Kunst nicht immer nur eine Lösung, sondern auch Teil des Problems war.

Schon als kleiner Junge hatte Levent Kartal eine Vorliebe für das Malen. Am liebsten waren ihm Portraits. Und darin keimte bereits der Konflikt. „Im Islam sind figurenähnliche Darstellungen nicht erlaubt“, berichtet er. Aus Glaubensgründen unterbanden seine Eltern diese künstlerischen Ambitionen. Sie stammen aus Amasra, einer türkischen Hafenstadt an der Küste des Schwarzen Meeres, und waren nach Deutschland gekommen, um hier zu arbeiten. „Das Verbot war der Beginn eines Traumas“, ist sich Levent Kartal heute sicher. Und der Beginn einer religiösen Entfremdung. „Irgendwann habe ich keine Moschee besucht und die Glaubensrichtung nicht mehr gelebt“, schildert der Künstler die Folgen.

Anstatt daran zu zerbrechen, griff Levent Kartal zu Pinsel und Farbe, um seine Erfahrungen zu verarbeiten. „Dabei kann ich aus dem Inneren heraus malen und meinen Gefühlen freien Lauf lassen“, betont er. Es entstanden zuerst vier Werke, die er mittlerweile als „Grundbilder“ bezeichnet: „Die Schwere“, „Leichtigkeit“, „Orientalisches Temperament“ und „Erdung“. Der Beginn einer künstlerischen Entwicklung, die nicht nur viel Talent erkennen ließ, sondern sich auch in beruflicher Hinsicht fortsetzte. „Ich habe eine Tätigkeit gesucht, mit der ich Kunst und Psychologie verbinden konnte“, sagt Levent Kartal. Mittlerweile arbeitet er im kreativ-therapeutischen Bereich der Tagespflege eines Dortmunder Seniorenzentrums.

Über die künstlerische Auseinandersetzung mit sich, seinen Mitmenschen und der Welt hat Levent Kartal in den letzten Jahren zu sich gefunden. „Früher bin ich immer im Zwiespalt gewesen“, sagt er. Durch die Kunst sei sein Leben viel stärker zu einer Einheit geworden: „Die Bilder geben meine Gefühle preis: Liebe, Wut, Hass und Angst.“ Dadurch kann der Künstler jetzt besser als früher zu seiner türkisch-deutschen Bi-Nationalität stehen, sieht sie nicht mehr als Belastung, sondern als Bereicherung und Chance. Mindestens einmal jährlich reist Levent Kartal in die Türkei, um ein stärkeres Gefühl für das Geburtsland seiner Eltern zu entwickeln. „Nur dort kann ich einen realistischen Eindruck für die Luft, die Menschen und das Meer gewinnen“, strahlt der Künstler jetzt viel Selbstsicherheit aus.

  • Levent Kartal möchte er nun seine „Werke mit der Gesellschaft teilen“, wie er es ausdrückt.
  • Dafür sucht er geeignete Ausstellungsräumlichkeiten.
  • Interessierte können sich auf der Webseite lekatro.com einen Überblick über Bilder und Skulpturen verschaffen.
  • Wer weiterhelfen möchte und Räumlichkeiten kennt, kann sich unter lekatro@icloud.com mit Levent Kartal in Verbindung setzen.

 

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