Körperpsychotherapie – der Körper in der Psychotherapie wird „wiederentdeckt“

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Am 4. Juni referiert Uwe Hillebrandt, Dipl. Körperpsychotherapeut (ECP) zum Thema „Das innere psychische System – „Was bin ich, und wenn ja wie viele?“ in der LWL-Tagesklinik in Aplerbeck; (Foto: IN-StadtMagazine)

„Wir können nicht nicht kommunizieren, unser Körper spricht immer, ob wir wollen oder nicht“ – Zitat Psychologe Paul Watzlawick

„Wie geht`s, wie steht`s?“ „Ich habe einen Standpunkt, ich habe Rückgrat“. Oder „Ich stehe neben mir, es hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen, ich habe einen Kloß im Hals, mir sitzt die Angst im Nacken“.

Unser Sprachgebrauch weist in vielen Formulierungen auf unseren Körper, Körperausdruck und unsere Körperhaltung hin. In der Körperpsychotherapie wird davon ausgegangen, dass sich unser Erleben und unsere Biografie in unserem Körper widerspiegeln. Der Körper ist im Grunde der Spiegel unserer Seele. Dieses Wissen steht in einer langen Tradition, auf die die Körperpsychotherapie zurückblicken kann. Aktuell wird der Körper in der Psychotherapie „wiederentdeckt“ und bekommt zunehmend mehr Beachtung, da viele körperorientierte Interventionen sehr heilsam sind.

Ein wesentlicher Aspekt in der Körperpsychotherapie ist die Selbstwahrnehmung. Oft haben wir den Bezug zu unserem Körper verloren, wir funktionieren, verlieren den Kontakt zu unseren wesentlichen Bedürfnissen und achten zu wenig auf „Signale“ des Körpers. Meistens wird der eigene Körper erst wahrgenommen, wenn etwas schmerzt oder eine tiefe Erschöpfung, ein Burnout oder eine Depression nicht mehr zu leugnen sind. Unsere Selbstwahrnehmung, bzw. die Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse kann unter Umständen jedoch sehr gestört sein. Botschaften wie: „Kinder, die was wollen, kriegen was auf die Bollen!“ oder „Stell dich nicht so an, reiß dich mal zusammen!“, können dazu führen, nicht mehr zu wollen und sich seine Bedürfnisse zu verkneifen, bzw. sie zu verdrängen.

Negative Botschaften von wichtigen Bezugspersonen können Blockaden verursachen. Diese wiederum können sich in unserem Körper in Form von Spannungen bemerkbar machen – in Form von Schmerzen im Rücken, Schulter-, Nacken- oder Kieferbereich. Diese Kommunikation geschieht einerseits in uns selbst (intrapersonal), wenn unser Körper „mit uns spricht“, indem er uns Rückmeldungen gibt über unsere inneren Spannungen und über das, was uns gut tut oder nicht.
Andererseits kommuniziert unser Körper immer auch mit anderen. Unsere Körpersprache, die non-verbale Kommunikation, macht ca. 70 % des zwischenmenschlichen Kontakts aus. Sich der eigenen Körpersprache bewusst zu werden, trägt dazu bei, dass Beziehungen besser gelingen. Wir können lernen, die Art und Qualität von Kontakt und Beziehungen zu verbessern.

In der Körperpsychotherapie geht es darum, sich und seinen Körper besser kennen zu lernen, die Signale des Körpers besser zu verstehen, um mit sich und seinen Beziehungen besser umgehen zu können, wobei die Frage bedeutsam ist: „Darf ich sein, wie ich bin?“
Für Menschen, die sich gehetzt und getrieben fühlen, kann es sehr erholsam sein, „mal langsam gehen zu lassen“, sich zu „entschleunigen“ und zur Ruhe zu kommen. Andererseits können auch Lebensgeister geweckt werden, indem die eigene Vitalität unterstützt oder wiederentdeckt wird. Es ist möglich, aus einer äußeren und inneren Erstarrung wieder in Bewegung zu kommen, sich wieder lebendiger zu fühlen, unterdrückte Emotionen zulassen zu können und die Lust auf etwas Neues zu entdecken.

Die Körperpsychotherapie bietet Möglichkeiten, sich seiner selbst wieder sicher zu werden, wieder einen „sicheren Stand“ im Leben zu finden und den Mut zu entwickeln, eigene Wege zu gehen und neue Verhaltensmuster auszuprobieren. Sie eröffnet Wege, aus der Resignation herauszukommen, wieder Lebenslust und Freude zu empfinden und eröffnet Möglichkeiten, wie Notlagen überwunden und Blockaden gelöst werden können.

Nicht zuletzt geht es darum, einen achtsamen Umgang mit sich selbst zu entwickeln und zu lernen, sich im eigenen Körper „zuhause“ zu fühlen.
Denn, wie heißt es so schön: „Tu deinem Körper etwas Gutes, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen.“

Uwe Hillebrandt
Dipl. Körperpsychotherapeut (ECP)

Vortrag am 4. Juni 2019 um 19:30 Uhr in der LWL-Tagesklinik, Allerstraße 1, in Aplerbeck mit Körperpsychotherapeut Uwe Hillebrandt: „Das innere psychische System – „Was bin ich, und wenn ja wie viele?“

Kontakt: uwe.hillebrandt@lwl.org

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