Honigernte in der Forensik – Bienen-AG schleudert 40 Kilo Honig

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Erzieher Frank Rennecke (l.) und Michael Sch. holen die Honigrahmen aus den Bienenstöcken vor der Wilfried-Rasch-Klinik. (Fotos: LWL/SchuFi)

„Unsere erste eigenständige Honigernte, das ist schon aufregend“, sagt Erzieher Frank Rennecke von der LWL-Klinik für Forensische Psychiatrie Dortmund, Wilfried-Rasch-Klinik. Vor knapp zwei Jahren hat er gemeinsam mit seinem Kollegen Klaus Raschke die Bienen-AG in der Aplerbecker Fachklinik des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) gegründet. Gemeinsam mit bis zu vier Patienten sind die beiden Neu-Imker ein Jahr lang beim Aplerbecker Imkerverein in die Lehre gegangen. „Am Anfang hatten wir null Ahnung und jetzt haben wir 40 Kilo Honig von unseren eigenen Bienenvölkern geerntet“, sagt Rennecke stolz.

Die Idee, mit den Patienten zu imkern, entstand bei einer Tagung. Dort hatte der erfahrene Mitarbeiter aus dem Pflege- und Erziehungsdienst einen Vortrag zu tiergestützter Therapie mit Bienen gehört. „Erstmal fand ich das Thema irgendwie schräg und anschließend war ich total beeindruckt davon“, erzählt Rennecke. Die Patienten erlebten in der Arbeit mit den Bienen, was es bedeutet, Verantwor­tung zu übernehmen und sich langfristig zu verpflichten, erklärt er die Ziele des Projektes. Auch die Erfahrung, neue Fertigkeiten zu erlernen und mit dem neuen Können in gemeinsamer Arbeit ein eigenes Produkt zu erzeugen, sei ein wichtiges Lernerlebnis für die Patienten.

Aber klar war auch: Nur Bücherwissen reicht nicht aus, um Bienenvölker zu halten. „Deshalb sind wir dem Aplerbecker Imkerverein sehr dankbar, dass er uns unter seine Fittiche genommen hat“, sagt Rennecke. „Im ersten Jahr standen unsere Bienen auf dem Vereinsgelände und wir haben dort einmal die Woche gearbeitet und gelernt, was man beim Imkern beachten muss“. Und noch mehr: „Die Vereinsmitglieder haben uns wie ganz normale Leute behandelt“, erzählt Arne B.*, einer der Patienten. „Wenn wir nicht gut gearbeitet haben, dann kam auch mal ein Spruch“, lacht er, „aber dann muss man halt lernen, damit umzugehen.“ Auch ein wichtiges Lernerlebnis für die AG-Teilnehmer, ist Rennecke sicher.

Um an der Imkerei teilnehmen zu können, muss ein Patient schon große therapeutische Fortschritte gemacht haben: „Mindestens Gruppenausgang muss jeder Patient haben, damit wir die Klinik mit einer Vierer-Patientengruppe verlassen können“, erklärt Krankenpfleger Raschke. Auch um nur an den eigenen Bienenstöcken arbeiten zu können. Die stehen inzwischen in einem selbstgeschreinerten überdachten Holzgestell auf dem Grünstreifen außerhalb der Klinikmauer im Sichtbereich der Pforte. „Unsere Bienen stehen rund um die Uhr unter Beobachtung, genau wie wir…“, scherzt Patient Michael Sch.*.

Für die Honigernte hat die Gruppe die Cafeteria der Klinik in Beschlag genommen. Während Frank Rennecke und Michael Sch. draußen in weißer Schutzkleidung die Honigwaben aus den Bienenkisten ziehen, bereitet Raschke drinnen mit zwei Patienten die Honigschleuder vor. Ein bisschen nervös sei er schon, gibt Manfred S.*, der dritte AG-Teilnehmer, zu. „Ob wir das alleine richtig hinkriegen?“ Als dann die Rahmen mit den Honigwaben hineingebracht werden, gehen alle routiniert zu Werke: B. kratzt den Wachsdeckel von den Waben, Rennecke befüllt die Honigschleuder und dreht die Handkurbel, und alle gemeinsam freuen sich, als der erste eigene Imkerhonig in der Wilfried-Rasch-Klinik unten aus der Schleuder fließt.

In den nächsten Tagen wird der Honig in Gläser abgefüllt. Was noch nicht für Mitarbeiter und Angehörige reserviert ist, soll auf dem Aplerbecker Apfelmarkt am Forensik-Stand angeboten werden.

* Die Namen der Patienten sind zum Schutz der Personen abgekürzt.

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