Die Berghofen Saga – 800 Jahre Berghofen (Teil 2)

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Haus Berghofen im Jahr 1954. (Foto: Archiv Burkhard Treude)

Während alle Häuser des alten Dorfes Berghofen aus Fachwerk bestanden, wurde schon zur Zeit der Sachsen für die Edelinge ein „festes Haus“ aus Bruchsteinen errichtet und mit einem Wassergraben umgeben.

In solche Gräftenhöfe setzten die Franken ihre fränkischen oder frankentreuen Verwalter, die später zu Grafen oder Rittern erhoben wurden. Die Ritter – oder die Herren von Berghofen – sind bis zum Jahre 1426 nachzuweisen. Nachfolger im Besitz wurden die Herren von Eickel (Eickel liegt nördlich von Bochum). Als 1712 die Witwe des Wilhelm Dietrich von Eickel den Wilhelm Dietrich von Elverfeld zu Herbede heiratete, ging das Haus an diese ursprünglich aus Elberfeld stammende Familie über. Seit jener Zeit wurde das Haus Berghofen nicht mehr von seinen Eigentümern bewohnt, sondern von Pächtern bewirtschaftet, bis es 1966 in den Besitz des Herrn Gerd Carl überging, der auf dem alten, geschichtsträchtigen Gelände die Baustoffhandlung Sommrey betreibt.

Um die Jahrhundertwende zum 20. Jhdt gehörten zum Haus Berghofen etwa 500 Morgen Wald, Wiese und Acker. 1905 kauften allein die Dortmunder Stadtwerke 260 Morgen Wald und Wiese für ihre Wasserversorgungsanlagen und wurden damit zum Eigentümer des Berghofer Waldes.

Von den rund 16 Höfen und Kotten des Dorfes waren im Laufe der Jahrhunderte elf dem Hause Berghofen gegenüber lehnspflichtig geworden, d. h. der Herr des Hauses Berghofen war der Eigentümer dieser Höfe und lieh sie (deswegen „lehnspflichtig“) an die jeweiligen Bauern.

Das alte Dorf lag im Bereich der Straßen [Berghofer] Schulstraße, Kneebuschstraße, Blausielweg, Igelweg, Iltisweg und Hirschweg. Der Dorfkern [die historische Dorfmitte mit dem heutigen Steigerturm.] ist leicht an diesen „krummen“ Straßen zu erkennen. Die Germanen bauten nämlich zuerst ihre Höfe und verbanden sie dann miteinander mehr schlecht als recht durch Wege.

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war Berghofen ein Bauerndorf, rings umgeben von Wald, der vor Feinden – Mensch und Tier – schützen sollte und der nur noch im Süden erhalten geblieben ist.

Und doch sah das Leben und Treiben dieses Dorfes etwas anders aus als in Bauerndörfern ähnlicher Größe, gab es doch in Berghofen Ende des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts nicht weniger als 30 Kohlen- bzw. Eisensteinzechen. 1864 heißt es in einem Bericht des Berghofer Gemeinderates: „Über die Hälfte der Eingesessenen unserer Commune (= Gemeinde) sind eingeschriebene Bergleute“.

Die Erinnerung an diesen alten Bergbau ist weitgehend verblasst. Am Fuße des Denkmals im Ehrental steht ein Vermessungsstein der Zeche Elisabeth. Die Wasserführung der Eisensteinzeche Ruhfuß ist noch intakt, das ausströmende Wasser wurde in den Kinderspielplatz am Pottenkamp (Grenze Berghofen – Loh) einbezogen. Der Ingenieur Dinnendahl baute an der Wittbräucker Straße eine „Wasserkunst“, d. h. eine Pump- und Förderanlage für die Zeche Elisabeth mit einem 9 m hohen Wasserrad. Nach ihm und seiner Anlage sind auch Straßen in Berghofen benannt. Straßennamen sind es auch, die die Erinnerung an vier Männer wachhalten, die um 1800 als Bergbaufachleute aus dem alten Bergbaugebiet von Mansfeld am Ostrand des Harzes hierher kamen, um den Bergbau zu „modernisieren“: Christian Friedrich Klewitz, Gottlieb Reiser, Dietrich Schmuck und Gottfried Malritz. „Neuflöz“ und „Wasserbank“ sagen uns, dass Flöze dieses Namens unter Berghofen liegen und jahrhundertelang abgebaut wurden.

Die Berghofer Eisenstein- und Kohlezechen haben mit dazu beigetragen, dass 1841 der aus Iserlohn stammende Hermann Dietrich Piepenstock auf dem alten Hörder Burggelände sein Stahlwerk, die Hermannshütte, errichtete, die als Werk Phönix der Hoesch Hüttenwerke AG bis heute [1979] das Leben rechts und links der Emscher weitgehend bestimmt.
Hatte sich die Einwohnerzahl Berghofens von 300 im Jahre 1808 auf 715 im Jahre 1840 erhöht, so erfolgte nun mit zunehmendem Ausbau der Hermannshütte eine wahre Einwohnerexplosion: 1850: 1.190,1860: 2.000, 1880: 2.900,1900: 5.400,1912: 7.000 Einwohner. 1968 lebten hier 10.000 Menschen und heute hat Berghofen etwa 12.000 Einwohner.

Autoren: Helmut und Burghard Treude

Teil 3 folgt im November

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