Die Berghofen Saga – 800 Jahre Berghofen – Teil 1

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Berghofer Str. 149 Dieckerhoff – die Postkarte stammt aus dem Jahr 1920. (Foto: Archiv Burkhard Treude)

Im Jahr 1979 gab es eine 750-Jahr-Feier Berghofens und in diesem Jahr sollten 800 Jahre Berghofen gefeiert werden. Aber Moment, da stimmt doch was nicht, denn wer rechnen kann, hat den Fehler gleich entdeckt. Die Auflösung findet man im nachfolgenden Artikel, der von Helmut Treude (1915 – 1992) anlässlich der 750-Jahr-Feier Berghofens 1979 geschrieben und von seinen Sohn Burkhard Treude ergänzt wurde.

Der Autor Helmut Treude war von 1946 bis 1977 Lehrer (bis zu seiner Pensionierung Rektor) an der Busenbergschule. Als Heimatkundler ist er vielen ehemaligen Schülern durch seine Publikationen „Heimatbuch für Dortmund“ (1965) und seine Mitarbeit am „Atlas für Dortmund und Umgebung“ (1961) in Erinnerung. Seine „Dortmunder Wanderpläne“ stehen noch in vielen Bücherregalen. Seine „Geschichte der Berghofer Volksschulen“ (1998 herausgegeben von Dr. Ingo Fiedler) gilt als Standardwerk der Berghofer Schulgeschichte.

Im Vorwort zu diesem Buch schreibt der Herausgeber: „Ein ganz besonderer Höhepunkt in Helmut Treudes Schaffen war die 750-Jahrfeier Berghofens. Mit viel Arbeitsaufwand nahm er an den Vorbereitungen des Festzuges teil. Sein eigener Beitrag war eine Ausstellung zur Berghofer Geschichte, die von der ältesten Urkunde bis zur Gegenwart die Entwicklung des Ortes zeigte.“

Diesen überaus interessanten Artikel werden wir in mehreren Ausgaben verteilt veröffentlichen.

Am 15. August des Jahres 1229 wurde in dem Kloster Möllenbeck in der alten Grafschaft Schaumburg bei Rinteln an der Weser eine wichtige Urkunde ausgestellt und gesiegelt. Die Äbtissin Kunigunde von Möllenbeck überlässt darin dem Stift Cappenberg bei Lünen die zu ihrem Hof in Aplerbeck gehörenden Höfe zu Heil (südöstlich von Werne) und empfängt dafür ein Haus zu Lore (Lage unbekannt). Zu den Zeugen, die eigens nach Möllenbeck gereist waren, gehörte auch Theodoricus de Berghoven (Theodor von Berghofen). Diese Urkunde mit der ältesten Erwähnung des Namens Berghofen hat im Gräflichen Archiv zu Cappenberg die 750 Jahre nach ihrer Ausstellung überdauert und die Berghofer des Jahres 1979 veranlasst, den 750. Jahrestag dieser ersten schriftlichen Erwähnung mit einem Volksfest zu begehen.

Allerdings schreibt der Berghofer Historiker Dr. Ingo Fiedler (Verwaltungsratsvorsitzender des Westfälichen Heimatbundes) in seinem Aufsatz „Berghofens erste Erwähnung“ (Berghofer Blick 3/1993) von einem älteren Dokument, der großen Vogteirolle des Grafen Friedrich von Altena-Isenberg, in dem bereits vor 1220 der Name Berghofen zum ersten Mal erwähnt wird. Deswegen wird die 800-Jahr-Feier Berghofens nicht erst 50 Jahre nach der 750-Jahr-Feier stattfinden, sondern eigentlich 2020 – bedingt durch die Pandemieeinschränkungen allerdings wohl erst 2021.

Die Urkunde von 1229 darf natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Ort Berghofen (Höfe auf dem Berge) mit Sicherheit wesentlich älter ist. Das geht zunächst einmal aus dem Namen selbst hervor: das Wort „-hof“ ist an sich altsächsisch in der Bedeutung von Herrenhof. Davon abgeleitet weist „-hofen“ immer auf eine Ansiedlung um den „-hof“ herum. In dieser Bedeutung wurde der Name von den Franken unter bischöflich-kölnischem Einfluss gebraucht und verbreitet, als sie nach 775 unser Gebiet besetzten und zehn weiteren Siedlungen einen „-hofen“- Namen gaben. Aldinghofen (untergegangen), Benninghofen, Didinghofen (untergegangen), Eichlinghofen, Ermelinghofen (untergegangen), Niederhofen, Wandhofen, Westhofen, Wellinghofen und Wichlinghofen.

Aller Wahrscheinlichkeit nach ist aber in der sächsisch-fränkischen Zeit zwischen 700 und 800 hier nur eine Neugründung erfolgt, gibt es doch heute noch im Ortsbereich Namen, die aus einer wesentlich älteren Zeit stammen, so z. B. „Loh“ [althochdeutsch „lô“ = Wald oder Feuchtgebiet] im Straßennamen Ringeloh. Das Wort „Loh“gehört zu den ältesten germanischen Grundwörtern und berechtigt zu dem Schluss, dass hier oben im Waldesdickicht des Ardeys unsere germanischen Vorfahren bereits vor 2000 bis 3000 Jahren eine Siedlung angelegt haben.

Erhärtet wird diese Annahme noch durch die beiden Hügelgräber im nahen Schwerter Wald, die ebenfalls ein Alter von rund 3000 Jahren haben. Während das eine Grab oberhalb „Nathe“ noch erhalten ist, wurde das zweite, das im Jahre 1905 wissenschaftlich untersucht worden war, 1977 durch den Bau des Funkturms der Bundespost zerstört. lm Inneren des Grabhügels, der einen Durchmesser von 10 Metern und eine Höhe von 0,70 Metern hatte, befand sich eine etwa 2m x 1m große Steinbettung, auf der die Asche eines verbrannten Menschen lag.

Wie die Stämme dieser vorgeschichtlichen Menschen hießen, wissen wir nicht. Sichere Nachricht haben wir von dem germanischen Stamm der Brukterer, unter denen von 690 bis 693 der angelsächsische Missionar Suitbertus wirkte und den christlichen Glauben verbreitete. lm Jahre 693 drangen dann die Sachsen von Norden her über die Lippe in den Brukterergau ein. Das Gebiet wurde von ihnen „übersiedelt“, d. h. die sächsischen Edelinge nahmen das Land in Besitz, und die im Lande verbliebenen Brukterer wurden Hörige. Unter der Sachsenherrschaft ging der christliche Glaube weitgehend verloren. Die Christianisierung war zunächst weitergegangen, fand aber mit dem gewaltsamen Tode der angelsächsischen Priester, dem weißen und dem schwarzen Ewald, um das Jahr 695 in Aplerbeck ein vorläufiges Ende.

Nur knapp einhundert Jahre waren die Sachsen uneingeschränkte Herren des alten Brukterergaues. Der nach einem abendländischen Großreich strebende fränkische König Karl dehnte seine Eroberungszüge bald auch auf das Sachsenland aus. In einem mehr als 30 Jahre dauernden Ringen von 772 bis 804 konnte er die Sachsen bezwingen. Die Eroberung der Sigiburg (Hohensyburg) im Jahre 775 machte die Franken zu endgültigen Beherrschern unserer engeren Heimat. Durch die Gesetze von Lippspringe wurde 782 die fränkische Gau-, Gerichts- und Heeresverfassung eingeführt.

Die Christianisierung des Sachsenlandes war u. a. ein erklärtes Ziel der Franken gewesen und erfolgte zügig und gründlich. An vielen Orten entstanden in der Folgezeit Kirchen und Abteien, die mit Grund und Boden reich ausgestattet wurden. Der „Kirchenzehnte“, eigentlich die Abgabe des zehnten Teiles von allem, was auf einem Hof erwirtschaftet worden war, sorgte für den Unterhalt der Kirche mit all ihren Einrichtungen und Bediensteten. Zu den fünf Urpfarreien, die im alten Brukterergau gebildet wurden, gehörte Dortmund. So wundert es nicht, dass eine Urkunde von 1407 davon meldet, dass das Soling-Gut in Berghofen jährlich 16 1/2 Malter Korn (etwa 1,3 t), 2 Hühner, 2 Fuder Holz und eine bestimmte Summe Geldes an die Marienkirche in Dortmund zu liefern habe.

Teil 2 finden Sie in der Ausgabe 04/20, die am 28. August erscheinen wird.

„Die geplanten Feierlichkeiten des Heimatvereins Berghofen zum Thema 800 Jahre Berghofen werden in diesem Jahr nicht stattfinden, die Feierlichkeiten sind Corona-bedingt auf (hoffentlich) 2021 verschoben“, so Cornelia Konter,Vorsitzende Heimatverein Berghofen e. V.

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