Ein bewegendes Stück Zeitgeschichte

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(v. l.) Andreas Roshol vom Jugendring Dortmund, Eva Weyl, Heike Stäwen und Peter Gehrmann, beide von JFZ.

Eva Weyl war im Jugend- und Freizeitzentrum (JFZ) in Aplerbeck zu Gast und sprach vor den Schülern, die letztes Jahr die „DO Tour für Respekt“ mitgemacht hatten, über ihr Leben im KZ „Lager Westerbork“. Die 80-Jährige machte den Schülern gleich am Anfang klar: „Die Jugend von heute trifft keine Schuld an der Vergangenheit, aber daran, was sie daraus macht. Ihr sollt meine Geschichte weitererzählen, damit so etwas nie wieder passiert – ihr seid jetzt die Zeitzeugen“. Weyl hat es sich zur Aufgabe gemacht, in Schulen, Jugendfreizeitstätten und Gedenkstätten über ihr Schicksal und die Verhältnisse während der Nazizeit zu referieren. Ca. 50 Veranstaltungen absolviert Eva Weyl in NRW und den Niederlanden pro Jahr.

Bereits kurz nach der Machtergreifung verließen Eva Weyls Eltern das niederrheinische Kleve und flohen in die Niederlande. In Arnheim, dem Geburtsort von Eva, bauten sie sich eine neue Existenz auf. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht kamen auch die Weyls in das Lager Westerbork, in das alle jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland und Österreich inhaftiert wurden. Eva erlebte als Kind eine scheinbare Normalität. Sie ging in Westerbork zur Schule und spielte mit den anderen Kindern. Es gab Theater, Musik, Fußball und Schule – aber alles war ein trügerischer Schein. Der Lagerkommandant wollte Ruhe im Lager und nicht das Risiko eingehen, an die Ostfront versetzt zu werden. Nur mit viel Glück konnte die Familie Weyl der Deportation entgehen. Der Zug, mit dem sie nach Auschwitz deportiert werden sollten, fiel durch kanadisches Bombardement aus.

Das Lager Westerbork wurde als „Zentrales Flüchtlingslager“ von der niederländischen Regierung gegründet. Mit dem Beginn der Deportationen in die Vernichtungslager (15.6.1942) wurde Westerbork zum „polizeilichen Judendurchgangslager“. Bis September 1944 verließ wöchentlich ein Zug das Lager nach Auschwitz, Sobibor, Bergen-Belsen und Theresienstadt. Von 107.000 Deportierten überlebten knapp 5.000. Über 100.000 Menschen wurden in den Vernichtungslagern ermordet.

Heute erinnern in Westerbork ein Museum und das Lagergelände an die Ermordeten.

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