150 Jahre Große Kirche – eine Kirche erinnert sich

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Die Große Kirche in Aplerbeck heute. (Foto: IN-StadtMagazine)

Die unter Denkmalschutz stehende evangelische „Große Kirche“ in Aplerbeck wird in diesem Jahr 150 Jahre alt. Die „alte Dame“ mit dem fast 61 Meter hohen Turm erinnert sich an ihre 150 bewegten Jahre:

„Erbaut wurde ich in der Zeit von 1867–1869 im neugotischen Stil als dreischiffige Hallenkirche aus Sandstein, der aus dem Steinbruch in Schüren kam und entworfen wurde ich vom Architekten Christian Heyden. Die Pfarrer Moritz Lohoff und Gustav Meinberg legten am 21. Juni 1867 meinen Grundstein mit der lateinischen Inschrift „ANNO DOMINI MDCCC LX VII“ am östlichen Chorabschluss der Kirche.

Mein Bau hat die Gemeinde 60.000 Reichstaler gekostet und der Grund für meinen Neubau war übrigens die durch die Industrialisierung in Aplerbeck angestiegene Zahl der Gemeindemitglieder. In der damaligen Georgskirche fanden 500 Gläubige nur dicht gedrängt einen Platz und bei mir konnten immerhin damals 2000 Menschen zum Gottesdienst kommen. Als Hallenkirche sollte ich auch noch zusätzlichen Platz durch Emporen erhalten. Doch die vom Architekten geplanten Seitenemporen wurden nie ausgeführt, weil es später keinen weiteren Bedarf an zusätzlichen Plätzen mehr gab – allerdings wurden immer wieder Versuche zur Umsetzung gestartet.

Wie es damals bei evangelischen Kirchen üblich war, bekam ich bei meiner Einweihung keinen Namen. Die Aplerbecker nannten mich einfach „Evangelische Kirche“. Später wurde ich im Volksmund auch die „Schwarze Kirche“ genannt, nachdem sich meine Gewölbeausmalung mit den Jahren schwarz verfärbt hatte. Nach der Eingemeindung Aplerbecks zu Dortmund im Jahr 1929 wurde ich zur besseren Unterscheidung von anderen Kirchen als „Märtmannkirche“ bezeichnet, da die Straße im Zuge der Eingemeindung von „Kirchstraße“ in „Märtmannstraße“ umbenannt worden war. Den evangelischen Aplerbeckern war ich auch einfach als Konfirmationskirche bekannt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kirchen erhielt ich aber auch nach 1945 keinen richtigen Namen. Die individuelle Bezeichnung „Große Kirche“ erfolgte erst im Jahre 1999.

Meine Kanzel ist aus dem Jahre 1869 und wurde von Theodor Schulze-Dellwig aus Sölde gestiftet und von Herwart Schulze aus Paulinzella angefertigt. Mein erster Altar wurde 1869 von Ludwig Freiherr von Elverfeldt aus Villigst/Berghofen finanziert und ebenfalls von Herwart Schulze gefertigt.Mein Altarbild, das den Gekreuzigten mit Maria, Maria Magdalena und Lieblingsjünger darstellt, stammt wahrscheinlich aus der Georgakirche.

1870 zog eine mit einem neugotischen Prospekt ausgestattete Orgel in meine Gemäuer ein. Erbaut wurde die Orgel von Edmund Schulze aus Paulinzella in Thüringen – deshalb wird sie als Schulze-Paulinzella-Orgel bezeichnet. Der Prospekt beinhaltet nur Orgelpfeifen – die eigentlichen 1914 Pfeifen befinden sich dahinter und sind nicht von außen sichtbar.

Ein paar Worte zu meinem Turm: Er ist besonders markant und von Weitem gut sichtbar. Der Wetterhahn markiert den höchsten Punkt des Stadtbezirks, seine Gesamthöhe beträgt 60,90 Meter. In ihm befindet sich das Hauptportal mit der Ehrenhalle. Die Halle beinhaltet Gefallenen-Gedenktafeln und Verzeichnisse des Krieges seit 1813 (1813 Freiheitskriege/Völkerschlacht, 1866 Deutscher Krieg, 1870/71 Deutsch-französischer Krieg, 1. Weltkrieg und 2. Weltkrieg). Im nächsten Turmabschitt kann die Schulze-Paulinzella-Orgel betreten werden, im drauffolgenden Turmabschnitt geht es zum Gewölbeumgang mit schönem Blick auf Aplerbeck.

Noch eine Etage höher ist das Uhrwerk mit drei Zifferblättern und dann wird aus dem Grundriss des Turmes ein Achteck, vorher ist alles quadratisch. Der nächsthöhere Bereich beherbergt die vier Glocken. Kurz vor meiner Fertigstellung wurden drei Bronzeglocken bei der Glocken- und Kunstgießerei Rincker in Sinn bestellt.

Im Ersten Weltkrieg mussten die „C“- und „E“-Glocke für Rüstungszwecke abgeliefert werden. Es verblieb daraufhin nur die kleine „G“-Glocke. Im Jahre 1920 bestellte die Gemeinde drei neue Gussstahlglocken, die vom Bochumer Verein gegossen wurden. Im 2. Weltkrieg sollte die „G“-Glocke eingeschmolzen werden, weil Bronze ein wichtiges Material der Rüstungsindustrie war. Doch irgendeiner bewies ein großes Geschick beim Ausfüllen der Formblätter und so verblieb die kleine Bronzeglocke von 1869 in Aplerbeck und ist heute zur halben sowie vollen Stunde als Uhrenglocke zu hören. Sie verträgt sich klangmäßig aber leider nicht mit den anderen drei Glocken.

Ich habe noch viel mehr zu erzählen – meine Geschichte können Sie demnächst hier weiterverfolgen.“

  • Am Tag des offenen Denkmals am 8. September stündliche Kirchen- und Turmführungen;
  • Ausstellung zur Geschichte der Großen Kirche von Rüdiger Kleff vom 01.–30.09.2019
  • 22.–29.09. Festwoche 150 Jahre Große Kirche und 15 Jahre Konzertchor
  • 22.09., 11 Uhr Eröffnungsgottesdienst, 15 Uhr Musikcafé
  • 22.– 26.09., 16:30 Uhr Führungen
  • 25.09., Kurzandacht hör mal + denk mal (immer mittwochs um 17:45 Uhr und immer eine gute Gelegenheit zur Kirchenbesichtigung)
  • 29.09., 17 Uhr Elias-Oratorium Felix Mendelsohn-Bartholdy

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