Widey-Grundschüler brachten Stahlschüsseln zum Klingen

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Das Interesse der Schulkinder war schnell geweckt – Steeldrums klingen eben anders als alles andere. Foto: IN-Stadtmagazine

Ein paar der Kids kannten sich ein wenig an Klavier oder Gitarre aus. Aber diese exotischen Metallschüsseln, die an der Widey-Grundschule darauf warteten, bespielt zu werden? Nie gesehen! Schnell allerdings entpuppten sich diese „Steeldrums“ genannten Stahl-Objekte als Musikinstrumente, denen man spannende Klänge entlocken konnte, und die obendrein auch als Solo-Instrument eine gute Figur abgaben.

Geleitet wurde der zugehörige Workshop von Jürgen Lesker, „Steeldrummer“ aus Leidenschaft und seit mittlerweile vierzig Jahren so etwas wie Dortmunds Botschafter für diesen karibischen Exportartikel. Rund dreimal im Jahr bringt Lesker „sein“ Musikinstrument im Rahmen von Schulprojekten dem Nachwuchs näher, an der Egilmarstraße jedoch gastierte er 2018 zum ersten Mal. Hintergrundinfos über die aus Ölfässern hergestellten Klangschalen begrenzt der 59-Jährige bei der Arbeit mit den Kindern verständlicherweise auf ein Minimum, stattdessen durfte ziemlich schnell ausprobiert und der eigene Spieltrieb entdeckt werden.

Um das Interesse in Bahnen zu lenken, nahmen die nach Schulklassen aufgeteilten Übungsgruppen dann eine Songbegleitung in Angriff: „What shall we do with the drunken sailor?“ wollten sich z. B. die Drittklässler im Laufe der vier Übungstage erarbeiten. Das trieb dem einen oder der anderen zwischenzeitlich die Sorgenfalten auf die Stirn, doch bald schon stellten sich erste Erfolge ein und entfachten Neugier und Interesse zusätzlich.

Hin und wieder ließ sich zudem Jürgen Lesker nicht lumpen, und führte – wohldosiert – vor, wie eine Steel Drum klingen kann, wenn ein Profi sie spielt. Nach und nach aber erweiterten sich auch die musikalischen Möglichkeiten des Nachwuchses und ergänzten sich mal hier durch einen hinzugelernten rhythmischen „Kniff“, mal dort durch einen technischen Ratschlag.

Bei der kleinen Aufführung am Abschlusstag des Projektes dann hatten die karibischen Metallschüsseln für die Kirchlinder Schüler bereits viel von ihrer Fremdartigkeit verloren, und auch das Seemannslied klappte rundum prima. Die Mutigsten der Kinder gar trauten sich kleine Solo-Tonfolgen zu. Der Kursleiter sparte daher bei seinen Worten an die anwesenden Eltern nicht mit Lob für seine Schützlinge. Vielleicht ist auf ein paar von ihnen der Funke der musikalischen Begeisterung ja so übergesprungen, wie das vor vierzig Jahren bei Jürgen Lesker der Fall war.

Genau genommen führt die Bezeichnung „karibischer Exportartikel“ für die Steeldrum in die Irre – zumindest in Dortmund. Nicht nur Jürgen Lesker nämlich ist hierzulande ein Pionier dieses Musikinstruments, sondern mindestens so sehr Eckard C. Schulz, der die klingenden Metallschüsseln seit den 70ern in Handarbeit produziert und sich im Laufe der Jahre den Ruf eines der weltweit renommiertesten Steelpan-Bauer erarbeitet hat. Rund 10.000 seiner Instrumente mit dem Aufdruck „E.C.S.“ erklingen mittlerweile rings um den Globus. So gesehen ist Dortmund immer noch Stahlstadt!

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