Schätze in Ihrer Garage

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Gartenarbeit fördert die Gesundheit, Entspannung und auch die Kreativität: So geschehen beim heute 45-jährigen Detlev Weidl aus Dortmund. Doch wer nun denkt, dass der kreative Schub den grünen Daumen des sympathischen Evingers hat noch grüner werden lassen, der irrt. Nein, nach getaner Arbeit gingen die Gedanken in eine ganz andere Richtung: „Ich habe damals vor 15 Jahren bei ebay rumgestöbert und dabei ist mir ein zur Versteigerung angebotener alter Opel Rekord Olympia Coupe von 1967 aufgefallen“, schwelgt Detlev Weidl in alten Erinnerungen.

Und so hat er damals bei eBay mitgeboten um das alte Schätzchen – höher als seine Frau Petra (47 eigentlich wollte. Doch wer kennt nicht den hässlichen Satz, der zum großen Ärgernis meist kurz vor Auktionsende unübersehbar auf dem Bildschirm prangert: „Sie wurden überboten!“ Aus der Traum für Detlev Weidl? Nicht doch, das Schicksal meinte es gut, denn der Höchstbietende machte von seinem Kaufrecht nicht Gebrauch und gemeinsam mit seiner Frau und den drei Hunden machte sich Weidl zwei Tage später mit Trailer auf den Weg zu seinem neuen alten „Sahnestückchen“, das er am Ende für ganze 825 Euro mit nach Eving nehmen durfte.

Rarität zum Schnäppchenpreis
Was für ein Coup Weidl da eigentlich gelungen war, entpuppte sich erst nach einer Anfrage des Opel Museums Bochum kurze Zeit später: „Ohne mein Sahnestück überhaupt gesehen zu haben, bot mir das Museum satte 5.000 Euro“, so der überraschte neue Besitzer. Denn – was Weidl zuvor nicht wusste – es handelte sich bei seinem Oldie um eins von nur 100 Modellen der ersten Baureihe, die mit dem Zusatz „Olympia“ ausgeliefert worden waren. Aus „Hans im Glück“ wurde „Detlev im Glück“, eine Trennung von seiner Rarität kam Weidl selbstredend nicht in den Sinn. Um den Oldie schlussendlich H-tauglich zu machen zerlegte Weidl das Fahrzeug in der Halle eines Kollegen in Marten und baute ihn vom Boden neu auf. In der Folge nutzte er im Winter die Zeit, um den Zustand des Wagens weiter zu optimieren.

Ein Oldie kommt selten allein
Die Lust an Oldtimern hatte Weidl längst gepackt, ja vielleicht floss schon ein wenig Benzin durch seine Adern. Wieder einmal meinte es das Schicksal gut mit ihm, als vor drei Jahren nach einer Auflösung von 15 Oldtimern ein Kollege diese in seinem Garten unterbringen wollte, dessen Frau aber heftig intervenierte. Als nach Oldie Nr. 12 die einst so sattgrün leuchtende Rasenfläche fast gänzlich verschwunden war, hieß es „Schluss mit lustig“, so dass Weidl den noch nicht neu beheimateten alten Wohnwagen geschenkt bekam und diesen – passend zum Zugwagen – prompt weiß-rot lackierte. Nachdem der gelernte CNC-Dreher die Achsen erneuert hatte, meldete er Oldie Nr. 2 für den Verkehr an.

Liebe zum Detail: Totenköpfe
In den 1970ern als Design-Ikone wiederentdeckt steht er auch als als ultimatives Symbol für Rebellion und Anarchie: der Totenkopf. „Blindstopfen auf den durch Zusatzscheinwerfern entstandenen Löchern in den Stoßstangen gefielen mir halt nicht“, erklärt Weidl, der kurzerhand – abgeguckt beim Roller seines Sohnes Sascha – rot blinkende Totenköpfe montierte. Totenköpfe finden sich mittlerweile an den Felgen, auf der Hutablage und an vielen weiteren Plätzen.

Ein weiteres Highlight: Ohne den Originalzustand des Opel zu beeinträchtigen, installierte Weidl im Kofferraum einen PC, auf dem er – stets aktualisiert – interessierten Zuschauern die Historie der Restaurierung dokumentieren kann.

Petra Weidl hat nachgezogen
Heute stehen für Detlev Weidl und seine Oldies Opel- und Oldtimertreffen auf dem Programm, hochzeitswillige Paare lassen sich im schicken weiß-roten Gefährt zum Traualtar kutschieren. Und Petra Weidl? „Ich habe mir im Mai ein altes Wohnmobil zugelegt“, erzählt die stolze Besitzerin eines 1978er Bedford Blitz. „Mein Hobby sind die Hunde Caprice, Angel und Lido, mit denen ich zu Turnieren unterwegs bin. Schlafen kann ich nun mit den Hunden in meinem Oldie-WOMO“, freut sich Petra Weidl und zeigt stolz auf „ihr“ H-Kennzeichen.

Und schon tritt Sohn Sascha (22) in die Fußstapfen der Eltern und beginnt in Kürze mit der Restaurierung eines alten Opel GT… der Oldtimer-Bazillus hat Familie Weidl komplett infiziert.

Steckbrief
Opel Rekord Olympia Coupe
Bj. 1967. Serienmotor 1,9 L mit 90 PS
Zeitwert ca. 14.000 Euro

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