Fortsetzung (Teil 2): Autorennen an der Hohensyburg

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Hans Stuck raste im „Weißen Elefant“ von Mercedes 1931 die Ruhrwald Straße entlang zum Sieg.

Die beliebten, weil spektakulären Gespann-Klassen, wurden in die Hubraumgrößen bis 500 ccm und über 500 ccm eingeteilt. Sogar ein Sponsor der Veranstaltung wurde gefunden, die Kölner Versicherung „Agrippina“. Diese älteste Kraftfahrzeugversicherung in Deutschland durfte auf handgemalten Stoffbannern für ihre Dienste werben. Auch weitere heute nur noch Insidern bekannte Marken, wie der Reifenproduzent „Englebert“ oder die Tankstellen-Kette „Olex“ warben am Streckenrand für ihre Automobil-Produkte.

Das Bild bestimmen sollte jedoch die Werbung des „Allgemeinen-Deutschen-Automobil-Clubs“, der als Veranstalter auftrat und selbst im hektischen Betrieb am Start, gelegen bei Herdecke, mit geschulten Startern, Streckenposten und Zeitnehmern die nötige Übersicht behielt. Geradezu bedrängt wurden die Verantwortlichen längs der 14,8 km langen Strecke von begeisterten Besuchermassen, die zu Zehntausenden erschienen, schnell sämtliche Markierungen übersahen und bestenfalls die in den engen Kurven aufgestellten Strohballen respektierten, die die Stürze und Ausrutscher, vor allem der Motorradfahrer, abfedern sollten.

Das Rennen wurde 1928 erneut ausgeschrieben, fand am 29. September 1928 statt, wieder ein Samstag, um am nächsten Tag nicht terminlich mit dem renommierten ADAC-Eifel-Rennen auf der Südschleife des Nürburgringes zu kollidieren. Dies war wohl eine Bedingung des veranstaltenden Automobilclubs. Der Start und das Ziel lagen an einer Ausbuchtung der Straße südlich vom Gut Reichsmark und die Strecke verlief weiter entlang öffentlicher Straßen, wie der Wittbräucker Straße und der Ruhrwald Straße, in Richtung Wellinghofen. Von dort aus mit einer scharfen Linkskehre zurück durch die Bittermark, nach Schanze und Ostende, eine weitere Linkskurve und man war wieder auf der Zielgraden. Zur Streckensicherung rekrutierte man zunehmend eigenes jugendliches Personal aus dem Umkreis der Strecke und es formierten sich bald, etwa in Schwerte und Westhofen, regelrechte Stammtische, an denen sich Motorsport-Begeisterte trafen und aus denen erste Kraftfahrer-Vereine hervorgingen. So auch der „Motorfahrer-Club Auf dem Schnee“, der seit 1929 besteht. Als Dank für die freundliche Kooperation mit den ADAC-Clubs veranstaltete der Verband das Rennen 1929 als offizielles Rennen zur Meisterschaft und der Renntermin am 20. Oktober 1929 war sogar der Schlusspunkt der Jahreswertung.

Auf zu neuen Ufern
Die Auflösung des Kreises Hörde und die Eingliederung weiter Teile des Kreises in die Stadt Dortmund am 1. April 1929 machten den Verlauf des Rennens zu einer „grenzüberschreitenden Veranstaltung“, was jedoch der Begeisterung der Anwohner und Teilnehmer keinen Abbruch tat. Unglaubliche 100 000 Zuschauer säumten den Rundkurs.

Sogenannte „Dreiecksrennen“ trafen den Nerv der Zeit und derartige Motorsport-Veranstaltungen, wie Rennen auf dem „Schleitzer Dreieck“ und dem „Marienberger Dreieck“, bildeten den Rahmen der Deutschen Meisterschaft. Schnell sprachen sich die Klasse der Herdecker Strecke und die Qualität der Veranstaltung herum und das hiesige Dreieckrennen wurde zum herbstlichen Mekka der Rennsportfans. Derart anspruchsvolle und gut gebuchte Veranstaltungen waren nicht überall zu finden.

Die Werke schickten deshalb ihre Teams und engagierte Bastler nutzten das Rennen zur Erprobung ihrer Eigenkonstruktionen unter harten Bedingungen. Am 12. Oktober 1930 fand das nächste Rundstrecken-Rennen in Herdecke statt, obwohl die Folgen der Weltwirtschaftskrise dem Sport hart zusetzten. Viele Teilnehmer erreichten die Rennstrecken auf eigener Achse, mieteten sich in der Umgebung ein und waren froh, eine nahe Tankstelle zu finden, um nachzutanken. Kleine offene Zweisitzer, wie der BMW-Dixi mit seinen nur 749 ccm und 15 PS waren beliebte Renngeräte, da die Kosten kalkulierbar blieben. Doch es gab auch größere Fahrzeuge.

Der weiße Elefant in Wellinghofen
Auch am 13. September 1931 dröhnten wieder die Motoren entlang der landschaftlich schönen Strecke südlich von Dortmund. Aus diesem Jahr stammen auch die Meldungen über den Klassensieg des legendären Rennfahrers Hans Stuck auf einem Mercedes SSKL. Dieser „Bergkönig“ hatte sich 1930-32 der Werksmannschaft von Mercedes-Benz angeschlossen und seine rasante Fahrt in einem weißen Sportwagen entlang der Ruhrwald Straße beeindruckte die Zuschauer nachhaltig.

Sein weißes Äußeres hatte dem mächtigen Wagen ursprünglich den Namen „Der weiße Elefant“ eingebracht, doch hatte man den schnellen Wagen Anfang der 30er Jahre zum SSKL umgebaut, wobei S für Super, das zweite S für Sport, das K für kurz und das L für leicht standen. Stuck gewann mit dem Mercedes in der größten Fahrzeugklasse mit einem Schnitt von 115,9 km/h und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h.

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