Samstag, 04. September 2010

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„Soll ich die Sch... etwa noch umbiegen?“

Ben Redelings stellte in Bochum sein neues Buch und Programm vor
Pöhlen: laut Duden gibt es dieses Wort gar nicht. Kein Wunder also, dass der Autor und bekennende VfL Bochum-Fan Ben Redelings beim Auswärtsspiel in Osnabrück auf eine innerdeutsche Sprachbarriere traf, die der traditionellen Bezeichnung aus der Ruhrgebietssemantik für die schönste Nebensache der Welt schlicht den Zutritt verweigerte.

Doch hier im voll besetzten Bochumer „Riff“- bei der Premiere seines neuen Programms „Dem Fußball sein Zuhause – Pöhlen, Pils und Pokale entlang der B1“- hat er ein Heimspiel. Hier kennt man Pöhlen und erst recht Pils. „Pokale sind in Bochum weniger bekannt“, wie Ben gleich zu Beginn eingestehen muss. Aber Spaß hat man in Dortmunds westlicher Nachbarstadt am Fußball trotzdem. Und warum man diesen Spaß hat, das erfahren die Zuschauer an diesem Abend gut zwei Stunden lang. Entlang der B1 mit gelegentlichem Abbiegen manövriert er seine Buch gewordene Liebeserklärung an das runde Leder zielsicher durch die humoristische Fußballhistorie und lebt hierbei kleine feine und große bitterböse Frotzeleien gegen die übermächtig wirkenden Nachbarn aus. Wie seine Stimmung vor einer Premiere ist, möchte ich wissen: „Natürlich ist man an so einem Abend nervös. Der Erfolg einer solchen Veranstaltung hängt ja auch zu 50% vom Publikum ab. Das ist wie im Stadion, man braucht diese Rückkoppelung“, beschreibt er seine Gefühle kurz vor Beginn.

Kein Mann für eine Schublade
Seine Bücher und seine „Scudetto- Fußball und Kultur“-Abende sind Sammlungen von Anekdoten rund um den Ball, die er aus alten Zeitungen, aus dem Internet oder aus persönlichen Begegnungen bezieht. Doch leider werden die Geschichten immer weniger. „Die Spieler stehen heute unter einem so großen Druck, dass die sich kaum trauen, mal so einen richtigen Spruch rauszuhauen. Die Distanz wird immer größer“, beschreibt Redelings das Problem, dass die „Typen im Fußball“ langsam aussterben.

Ganz im Gegensatz zu ihm selbst. Ben Redelings ist mittlerweile in den Olymp der satirischen Fußball-Literatur aufgestiegen und wird zuweilen mit Nick Hornby verglichen – ein Vergleich, den er allerdings für weit übertrieben hält und den er nicht gerne hört: „Ist Quatsch!“. Aber so ist die Medienlandschaft, jedem seine Schublade. Wir nehmen uns da ausdrücklich aus und reden von Ben Redelings als einem Autor, der seine Heimat, den Fußball und nicht zuletzt die Menschen zwischen Kamp-Lintfort und Bönen, zwischen Haltern und Sprockhövel liebt. Sogar bei den „Zahnlosen“ aus Wanne-Eickel-West, in deren Gesichtern er „Spuren totaler sozialer Verwahrlosung“ entdeckt und auch bei den „Zecken aus Lüdenscheid“ befördert er liebenswerte Attribute ans Tageslicht. „Der BVB ist ein guter Lieferant für tolle Geschichten“, lächelt Ben und kann sich diese kleine Spitze nicht verkneifen.

Anekdoten von der Seitenlinie
Wissen Sie eigentlich, was Friedel Rausch mit Schäferhunden und dem Playboy sowie Eike Immel mit schnellen Autos zu tun haben? Oder erinnern Sie sich an die Reaktion von Siggi Held, als BVB-Trainer Otto Rehagel diesen im Jahre 1978 beim Stand von 0:9(!) gegen Borussia M’gladbach einwechseln wollte? Oder wollen Sie erfahren, warum ein eingefleischter BVB-Fan während des Pokalfinales 2008 dem Rollstuhl entsteigen und wieder laufen konnte?

All diese Fragen werden von Ben Redelings an diesem Abend und in seinem Buch auf höchst amüsante und doch informative Art beantwortet. Im Gegensatz zu „Scudetto“, wenn er mit viel Technik arbeitet und sich hinter dieser ‚versteckt’, verzichtete er an diesem Abend auf den Einsatz von Laptop und Beamer und kam besonders in den Stand-Up-Phasen des Programms so stark daher, wie noch nie. Man merkt ihm an, dass er zu Kabarettist Frank Goosen eine enge Freundschaft pflegt und mittlerweile vieles von ihm gelernt hat. Weiter so, Ben! Die Rückkoppelung hat an diesem Abend übrigens wunderbar funktioniert, was die hohe Lacherdichte und der Applaus am Ende der Veranstaltung bewiesen haben.

Ach ja, die Reaktion von Siggi Held findet sich in der Überschrift dieses Artikels... Für jeden, der mehr solcher Anekdoten lesen und unter anderem wissen möchte, warum die Schalker Wurst dem Dortmunder im Halse stecken bleibt, lohnt ein Blick in Ben Redelings neues Buch „Dem Fußball sein Zuhause – Pöhlen, Pils und Pokale entlang der B1“. Verlag Die Werkstatt - 192 Seiten - ISBN 978-3-89533-672-0 - 9,90€.

Achtung: Am 26. November  ab 19.30 Uhr lädt Ben Redelings zum „BVB-Legenden-Abend“ ins Bochumer „Riff“ ein. Als Gäste begrüßt er dann den Ex-Borussen Frank Mill und Dietrich Schulze-Marmeling (BVB-Autor). Infos unter: www.scudettoblog.de

Kommentare (5)
Stephan Kottkamp
04. November 2009

Lieber Teddy,

in unserer nächsten Ausgabe Anfang Dezember wird es wieder einen Buchtipp geben, der für dich als "Schwatt-Gelben" wieder von großem Interesse sein wird.

Viele Grüße aus der Redaktion

Teddy
04. November 2009

Herzlichen Dank, liebe Redaktion, für den Buchtip!! Da kommen nicht nur bei einem alten Schwatt-Gelben die Erinnerungen hoch. Dat ist unser Pott! Schön!!

Sina
29. Oktober 2009

War zum ersten Mal bei so einer Fußball-Veranstaltung - meinem Freund zuliebe - und hab mich NICHT gelangweilt. =)

Wolfgang Mackowiak
28. Oktober 2009

Der gute alte Siggi Held. Da kommen Erinnerungen hoch.

Sebi
27. Oktober 2009

War ein lustiger Abend!

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